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Ausgabe 04 | 2017

Bad Schwanen, Ennetbaden

Aussenansicht Schwanen, Ennetbaden
Die historische Fassade des Hotels bei Baubeginn

Architektonischer Dreiklang
am Limmatufer

Im Herzen von Ennetbaden erlebt ein Stück traditionsreiche Schweizer Bäderkultur seine Renaissance. Das Bäderquartier auf beiden Seiten der Limmat, in Baden und Ennetbaden, ist eine der Keimzellen der Thermenlandschaft in der Schweiz. Die bewegte Geschichte reicht bis in die Römerzeit. Mit der Wiederaufnahme des Hotelbetriebs im „Schwanen“ wird ein Teil dieses Kapitels in der Gegenwart fortgesetzt.

Drei Abschnitte umfasst die gesamte Anlage. Neben dem historischen Hotelbau gehören ein Annexbau und eine hintergelagerte Wohnüberbauung zum Ensemble. Das denkmalgeschützte Hauptgebäude und der Annex umrahmen den rückseitigen Hof. Dahinter findet in erhöhter Hanglage die Neubauformation, bestehend aus drei Einzelbauten ihren Platz. Das Ensemble vereint rund 170 Jahre Architekturgeschichte von den Anfängen im Jahr 1843 über die markante Jugendstilfassade bis zu den zeitgenössischen Entwürfen der Überbauung.

Projekt und Architektur wurden unter der Federführung der Gähler und Partner AG entwickelt. Schon gleich zu Beginn beteiligt sich Gross als Projektpartner an der umfangreichen, mehrjährigen Planung, bevor im Frühjahr 2015 die Realisierung beginnt.

Im vergangenen Herbst wird die Wohnüberbauung termingerecht bezogen. Sie umfasst 32 Eigentumswohnungen. Terrassenförmig schmiegen sich diese an den ehemaligen Rebberg. Die Fassade aus Holz wird von Betonbändern unterbrochen und macht von aussen die Gliederung der Stockwerke sichtbar.

Für moderne Lebens- und Wohnqualität sorgt neben komfortabler und umweltschonender Haustechnik auch die umgebende Grünanlage, die einem früheren Weingarten mehr als gerecht wird. Natürlich erfüllen die Gebäude Minergie-Standard. Kontrollierte Wohnraumlüftung, effiziente Energiegewinnung mittels Wärmepumpe und optimale energetische Dämmung sorgen für gutes Klima im Raum wie auch im Portemonnaie.

Mit dem Erscheinen dieser Ausgabe werden auch die Sanierungsarbeiten am Jugendstilbau sowie die Bauarbeiten am Annex abgeschlossen sein. Für den Hotelbetrieb stehen zukünftig 12 Zimmer zur Verfügung. Zusätzlich entstehen im Alt- und Annexbau insgesamt 29 Mietwohnungen.

Neben den fast schon obligatorischen engen Platzverhältnissen waren bei diesem Projekt deutlich speziellere Herausforderungen zu meistern. So verläuft der Umfahrungstunnel unter dem Grundstück. Hier muss eine vollständige statische und akustische Entkopplung von den Neubauten gewährleistet werden. Die Thermalquelle im Bereich des Altbaus sowie der sorgfältige Umgang mit seiner geschützten Bausubstanz erfordern ebenfalls grosse Aufmerksamkeit.

Leistungsumfang Gross: TU für Wohnüberbauung und Annex, Baumanagement der Sanierung des historischen Hotelgebäudes.

Eingangshalle Schwanen, Ennetbaden
Um die Wirkung der Eingangshalle zu erahnen, braucht man vor der Renovierung einige Fantasie
Dachterrasse Schwanen, Ennetbaden
Hochwertige Ausstattung, grandiose Aussicht, die Attikawohnungen trumpfen mit einer grosszügigen Dachterrasse
Aussenansicht Neubauten Schwanen, Ennetbaden
Wohnen im Grünen – die drei fertiggestellten Neubauten umrahmen die Natur
Aussenansicht Schwanen, Ennetbaden
Hinter dem Annex kann man die Sanierungsarbeiten am Altbau erkennen
Restauriertes Deckengemälde Schwanen, Ennetbaden
Das restaurierte Deckengemälde schmückt den grossen Saal des Hotels

DAS INTERVIEW

Portrait Hans Rudolf Wyss
Hans Rudolf Wyss, Verwaltungsrats- Präsident der Brugger Liegenschaften AG

Bauherr und Initiator des Projekts Bad Schwanen ist die Brugger Liegenschaften AG. VR-Präsident Hans Rudolf Wyss steht uns im Interview Rede und Antwort.

Herr Wyss, der Schwanen in Ennetbaden lag lange Zeit im Dornröschenschlaf. Was war der Anstoss für die Um- und Neugestaltung?
In den letzten Jahren spürte man einen Aufbruch in den örtlichen Bäderkreisen. Ein wichtiger Impuls ist sicher das neue von Mario Botta entworfene Bad, das nur wenige Meter entfernt am gegenüberliegenden Ufer in etwa zwei Jahren eröffnen wird. Ein guter Anlass auch auf Ennetbadener Seite die Badtradition wiederzubeleben. Ein weiterer positiver Effekt ist der neu geschaffene Wohnraum, der dem Wohnungsmangel im Raum Baden ein Stück entgegenwirkt.

Wie gefällt Ihnen das Ergebnis?
Die Lösung ist stark von den Rahmenbedingungen, dem Denkmalschutz und den Architekten geprägt. Das Ergebnis lässt sich sehen. Die Arealgestaltung ist ein echter Pluspunkt für Ennetbaden, wie eine Klammer verbindet es den höher gelegenen Teil der Gemeinde mit dem Bäderquartier an der Limmat. Die Perle des Projekts ist sicher das historische Bad Schwanen. Der Diamant ist zwar noch nicht ganz fertig geschliffen, aber der grosse Jugendstilsaal ist ein echtes Juwel. Ich freu mich darauf, wenn im Herbst alle Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten am Altbau abgeschlossen sind.

Wie war die Zusammenarbeit mit Projektpartner Gross?
Mit Gross arbeiten wir schon seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Die ersten Projekte stammen bereits aus den 80er-Jahren. Nach so langer Zeit kann man sich auf die gewohnt gute und exakte Arbeit verlassen. Das Projekt wurde kostentreu umgesetzt, was bei einem so heiklen Altbau nicht einfach ist. Ausser den zu erwartenden Schwierigkeiten gab es keine nennenswerten Überraschungen.