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Ausgabe 10 | 2016

Neuapostolische Kirche Aarau

Innenansicht neuapostolische Kirche Aarau

So etwas baut
man nicht alle
Tage

Dass eine Kirche neu gebaut wird, ist in der heutigen Zeit ein selten gewordenes Ereignis. Wenn diese noch dazu eingebettet ist, in ein ästhetisch höchst anspruchsvolles, urbanes Gesamtkonzept, bekommt so ein Projekt eine herausragende Stellung.

Die Lage ist ideal. Direkt an der Aare, nur wenige Schritte von der Altstadt entfernt und auch die Aare-Auen als Naherholungsgebiet sind schnell erreichbar. Um einen so privilegierten Platz weiter zu entwickeln, beginnt für Gross die Partnerschaft mit den diversen Bauherrschaften bereits bei der Landsicherung. In der darauf folgenden Gestaltung eines Konzeptes finden neben dem Sakralbau drei Townhouses, zwei Ateliers, zwölf Mietwohnungen und eine Einstellhalle ihren Platz im Ensemble.

Schon bei der Betrachtung der Architektur wird klar, dass irgendetwas anders ist. Man erahnt etwas Geistliches. Der Gebäudekomplex strahlt eine unglaubliche, fast zenartige Ruhe und Wärme aus. Für das Design konnte das Büro Schneider & Schneider Architekten aus Aarau gewonnen werden. Tonangebende Materialien sind Sichtbeton und Holz. Neben der klaren Linienführung nimmt die Gestaltung auch Bezug auf die Umgebung. Das bestehende historische Teehaus ist behutsam eingebettet. Die vorgebauten Balkone aus Holz korrespondieren mit den 

Holzelementen der denkmalgeschützten Häuserzeile der Laurenzenvorstadt. Zur Aare hin geben grosszügige, in gestockte Betonelemente gefasste Fensterbänder den Blick auf den Fluss und die Umgebung frei.

Die ganz auf Form und Material reduzierte Ästhetik ist die zentrale Herausforderung dieses Gebäudes. Sichtbetonflächen und aufwendig konstruierte Betonteile erfordern absolute Perfektion bei der Verarbeitung. Schon bei den Vorarbeiten wird die spätere Qualität entschieden, denn Fehler sind kaum zu korrigieren. Daneben meistert das Team noch die im Innenstadtbereich üblichen Schwierigkeiten durch enge Platzverhältnisse und fehlende Lagermöglichkeiten.

Optimale Planung und Kommunikation führen ans Ziel. So werden die Wohnbereiche im Frühjahr 2016 planmässig bezogen und mit der Einweihung am 28. August durch Bezirksapostel Markus Fehlbaum auch das Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben.

Leistungsumfang Gross: TU, Projektentwicklung sowie Vermarktung

Innenansicht der neuapostolische Kirche in Aarau
Außenansicht der neuapostolische Kirche in Aarau
Innenansicht der neuapostolische Kirche in Aarau
Außenansicht der neuapostolische Kirche in Aarau
Badezimmer der neuapostolische Kirche in Aarau
Toiletten der neuapostolische Kirche in Aarau

DAS INTERVIEW

Portrait Heinz Schatt
Hein Schatt, Leiter Immobilien neuapostolische Kirche Schweiz

Herr Schatt, Sakralbauten sind meist frei stehende Objekte. Hier ist die Kirche in einem Ensemble integriert. Steckt dahinter eine bewusste Aussage oder eher Pragmatismus? Eine frei stehende Kirche wäre sicher der Idealfall gewesen. Das Finden eines geeigneten Bauplatzes gestaltet sich aber überaus schwierig. Das Grundstück soll möglichst zentral und verkehrstechnisch gut erschlossen sein. Auch eine möglichst effektive Nutzung des Grundstücks ist bei den heute geltenden Preisen angezeigt. Für die über freiwillige Spenden finanzierte Neuapostolische Kirche sind Nebeneinnahmen aus Immobilien eine wichtige Stütze.
Der Sakralbau ersetzt im Gestaltungsplan den ursprünglich geplanten Wohnbau. Im Gesamtkomplex ist die Kirche durch drei Dachhöcker ausgezeichnet – eine Anspielung auf die göttliche Dreifaltigkeit. Über dem Eingang dockt die Kirche in einem eingeschossigen Trakt an den Wohnbau an. Eng mit den weltlichen Bauten verbunden behält sie dennoch eine gewisse Distanz. Diese Spannung zwischen Nähe und Distanz gibt der Gestaltung besonderen Reiz.

Was können Sie zum Resultat und über die Zusammenarbeit mit Gross sagen? Gross war bei diesem Projekt nicht nur Totalunternehmer, sondern auch Investor für die Wohnbauten. Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt wurde diese Zusammenarbeit beschlossen, was nur auf einer weitgehenden Vertrauensbasis möglich war. Als Grundeigentümer der ganzen Parzelle haben wir den Landanteil für die Wohnbauten an die beiden Investoren verkauft. Für die Wohnbauten übernahm Gross alle weiteren Aufgaben. Trotzdem wurde das gesamte Ensemble gemeinsam entwickelt. Die Architekten gestalteten alles aus einem Guss. Die Ausführung der Bauten wurde in Perfektion abgewickelt. Das Kupferdach der Kirche ist von höchster handwerklicher Kunst, ebenso die Betonarbeiten im Treppenhaus der Kirche mit den geschwungenen Schalungen und Weiss-Zement-Beton. Bei den Ausbauarbeiten wurden keinerlei Kompromisse bei der Qualität geduldet, was zu einem perfekten Ergebnis geführt hat.

Welche Zielsetzungen haben Sie mit diesem Bau erreicht? Ein Um- und Ausbau des früheren Gebäudes war nach 70 Jahren im Dienst der Gemeinde aus vielen Gründen nicht sinnvoll. Mit dem Neubau an der Mühlemattstrasse werden nun alle Anforderungen an eine zeitgemässe Versammlungsstätte erfüllt. Der Bau ist barrierefrei und entspricht dem energetischen Standard Minergie. Der transparent gestaltete Eingangsbereich und die zentrale Lage sollen wieder mehr Menschen ermuntern einzutreten oder den Gottesdienst zu besuchen. Die neue Kirche ist sichtbare Einladung, wie auch ein Ort für die innere Einkehr.